BE    KONTAKT


KEIN ORT. NIRGENDS.




                                                                                                                                                                                               Wiederkehrender Traum

Ich stehe am Meer. Als ich losgelaufen war, schien die Sonne, aber plötzlich wurde sie von dunklen Wolken verdeckt.
Der Wind weht immer stärker, zerrt an meinen Kleidern. Ich drehe ihm den Rücken zu, um meine Jacke zuzuknöpfen,
meine Mütze aufsetzen zu können. Sie wird mir von einem Windstoß fast aus der Hand gerissen. Die Kapuze flattert im Wind,
schlägt immer wieder auf meinem Rücken auf – ich ziehe sie über die Mütze, verbinde sie fest unter dem Kinn.
Meine Augen tränen im Sturm. Die Möwen fliegen mit den Böen und kreischen in der Luft. Draußen liegt ein Boot.
Die Wellen stürmen es immer wieder. Es schießt hoch. Und fällt wieder hinunter.
Die Regentropfen prasseln in mein Gesicht. Sie fühlen sich spitz an, als würden sie in die Haut pieken.
Die Hose an meinen Oberschenkeln ist durchnässt. Sie klebt kalt an meiner Haut. Der Wind pfeift unter meine Kapuze. 
Und mich überkommt das Gefühl von Freiheit – das im Sonnenschein nie möglich gewesen wäre.
Das Gefühl von Loslassen. Hinauskatapultiert werden. Mit keinem Strick an nichts mehr gebunden sein.

Aus dem Roman “Minās Buch”






vor kurzem stand ich da
vor einem Schild
an einer Grenze
Naturschutzgebiet
stand dran
Vogelschutzgebiet
Zutritt verboten
munitionsverseucht
es war beängstigend
ich bin
mit pochendem Herzen
davon gelaufen
so sind unsere Grenzen
munitionsverseucht
da bleiben wir allein
auf uns gestellt
mit unserer Munition
an dieser Grenze
bleibt
jeder
für sich
in sich
geschlossen
jeder mit seiner eigenen Munition
da kann einen niemand berühren
munitionsverseucht
wie wir sind
diese Grenze macht es
dass ich mich einsam fühle
ich meine:
bin
wie ein Irrlicht
ins Weltall
hinaus
katapultiert

Aus dem Theaterstück "Darkroom"




© 2019 Edit Billinger . Kontakt . Impressum .  Datenschutzerklärung